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Gut Scheda

Schild mit Wappen am Eingangstor 
  Herbstwanderung am 09.10.2004
  zum ehemaligen Kloster,  dem heutigen Gut Scheda



Am 09.Oktober macht sich eine Wandergruppe von 16 Heimatfreunden auf den direkten Weg zum Gut Scheda. Unterwegs stoßen noch  einige am Haarweg hinzu. Bei herrlichem Herbstwetter geht es entlang dem Haarstrang flotten Fußes in 100 min über die 8,3km Strecke.
Pünktlich um 15.45Uhr erreichen wir Scheda, wo bereits eine weitere Gruppe von etwa 20 Gästen und Geschichts-hungrige auf uns wartet. Ein so großes Interesse hatten wir nicht vorausgesehen. Es zeugt davon, dass vielen der Name “Kloster Scheda” zwar etwas sagt, genaueres jedoch nicht bekannt ist. Auch Heinz Herkenrath, Natur- und Geschichtsexperte aus Holzwickede, ist unter den Gästen.
Anstelle von Marie-Luise Strathof, die leider erkrankte, war es kurzfristig gelungen, Herrn Reinhold Stirnberg aus Schwerte für die Führung vor Ort zu gewinnen. Dieser hat sich sich insbesondere mit der Adelsgeschichte befasst, unter anderem mit denen von Rüdenberg-Ardey. Die Führung beginnt mit einer Erläuterung zur Baugeschichte.

Leider ist von den ursprünglichen Bauten, weder vom Kloster, noch von der Burg- und Befestigungsanlage etwas zu erkennen. Anhand von colorierten Skizzen erläuterte Herr Stirmberg die Gesamtanlage.

Kloster Scheda, Klausen, Wirtschaftsgebäude, Gartenanlage

Colorierte Grafik: Reinhold Stirnberg

Klosterstiftung
Gestiftet wurde das Kloster von Wiltrudis, Ehefrau von Volandus von Ardey. Burg Ardey zwischen Fröndenberg und Ardey zeugt ebenfalls von dessen adeliger Geschichte.
Von Rüdenberg -Ardeys bisher bekannter Stammbaum beinhaltet weitere bekannte Namen und Verknüpfungen zur heimatlichen Geschichte, unter anderem zu den Grafen “von der Mark”.


Grafik: Reinhold Stirnberg

Zu einzelnen Personen aus dem Stammbaum lassen sich nach Recherche Gründungsgeschichten und Verbindungen zu den Dörfern in der Umgebung nachlesen:

Wiltrud (Wiltrudis, Die Willensstarke) war die Frau des Edelmannes Voland von Ardei. Nach dem Tod ihres Mannes gründete sie zwischen 1127 und 1139 die
Prämonstratenser-Propstei in Scheda in Westfalen, zu der bis 1175 auch ein Frauenkloster gehörte, in das Wiltrud selbst eintrat.

Eckart (Hechard, Eachardus, stark wie ein Schwert): sel. Priester, gest. zwischen 1150-1170 in Scheda, Fest: 1. Juli. - E. war der jüngste Sohn Wiltruds von Ardei und wirkte als Priester. Er gehörte zu der Gruppe von Männern, die von Cappenberg nach Scheda zog, um dort ein Kloster der Prämonstratenser zu errichten. Sein Leben hatte hohen Vorbildcharakter. Er war sehr fromm und war den Menschen in großer Liebe zugetan. In Scheda wurde sein Leib im Jahre 1628 feierlich aus dem Sarkophag, in dem er bestattet war, erhoben. Auch in der Margarethenkapelle zu Köln befanden sich Reliquien von E. Neben dem 1. Juli gilt auch der 23. Juni als sein Festtag.
Lit.: A. Schütte: Handbuch der deutschen Heiligen, Köln 1941, 102; - Torsy: Lexikon der deutschen Heiligen, Köln 1959, 127; - J. Torsy: Der Große Namenstagskalender, Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe, hrsg, von H. J. Kracht, Freiburg-Basel-Wien 19972, 179.

Bertold (Der glanzvoll waltende) war Prämonstratensermönch im Kloster in Scheda. Zusammen mit seinem Bruder Menrich arbeitete er an der Gründung einer neuen Niederlassung des Ordens in Fröndenberg an der Ruhr, doch er starb noch vor deren Eröffnung. Bertolds Grab ist in Scheda.
Biographisch-Bibliographisches KirchenLexikon

Auch die Chroniken der Dörfer aus dem Umfeld von Scheda zeigen diese Verbindungen auf:

Hemmerde
Am 24. August 1290 übertrug Graf Ludwig von Amsberg das Patronatsrecht über die Hemmerder Kirche seinem Verwandten Graf Eberhard von der Mark, der es seinerseits fünf Tage später an das Stift Scheda in Wickede a.d.r. weitergab. 500 Jahre lang sollte von nun an die Geschichte Hemmerdes mit dem Stift in Scheda verbunden bleiben. Mit dem Patronat war insbesondere das Recht verbunden, den Geistlichen zu ernennen. Bald nach der Übertragung des Patronats verfuhr der Probst von Scheda in der Weise, daß er jeweils einen der Kanoniker aus seinem Stift zum Pfarrherrn von Hemmerde ernannte.
www.hemmerde.net/evang_2.htm

Fröndenberg
'Frundeberg' ist die älteste bekannte Form des Ortsnamens Fröndenberg; er ist zu finden in einer Urkunde des Papstes Coelestin III. aus dem Jahre 1197, ausgestellt für das bei Bentrop gelegene damalige Prämonstratenserkloster Scheda, das 1147 erwähnt wird und seine Gründung der Edelfrau Wiltrudis und ihrem Sohn Rathard aus dem Geschlecht der Rüdenberger verdankt. Um 1170 wird Rabodo von Rüdenberg auch als 'de Dalewic' (von Dellwig) bezeichnet. Sein Erbe ging auf die Söhne des Edelherrn Jonathas von Volmarstein über. Sie bauten sich an der Ruhr bei dem Dorfe Ardey eine Burg. Dort nahmen sie ihren Wohnsitz und nannten sich danach 'von Ardey'. 1296 lag diese Burg im Gebiet der Grafen von der Mark.1318 wird zum letzten Male von einem Edelherrn von Ardey berichtet. Von der Burganlage blieben nur Mauerreste und Gräben übrig. Den Burgberg durchschneidet heute die Eisenbahnlinie nach Unna.
www.froendenberg.de/stadt/history/ his1.htm

Frömern
Nach dem Studium trat Heinrich von Steinen in den Prämonstratenserorden und das Stift Scheda bei Bentrop ein, wo er 1529 zum Priester geweiht wurde. Dem Stift stand damals, seit 1504, sein Onkel Kaspar von Plettenberg als Propst vor. Dieser verhalf ihm 1531 zu einer geistlichen Substitutenstelle in Frömern. Der dortige Vizekurat, Johann Schröder, war wohl kurz zuvor gestorben, und von Steinen versah nun den Kirchendienst für den - namentlich nicht bekannten - Frömerner Pfarrer, der vermutlich noch weitere Pfründen innehatte und anderswo residierte. Als dieser 1537 starb (oder sein Amt in Frömern aufgab), bewirkte von Plettenberg bei dem Patron von Hoete die Ernennung seines Neffen zum Pfarrer.
www.sv-froemern.de/gegen1.htm

Bredelar
Die Ortsgeschichte von Bredelar ist eng verbunden mit der Geschichte des in der Gemeinde liegenden Klosters der Prämonstratenserinnen und später der Zisterzienser. Die erste Nachricht von dem Ort finden wir im Jahre 1170. In diesem Jahr stiftete der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg an eine bereits bestehende Kirche in Breidelare, die dem hl. Laurentius geweiht war, ein Kloster für geistliche Frauen des Augustinerordens, den Prämonstratenserinnen. Die Leitung des Klosters wurde einer Äbtissin übertragen. Die geistliche Aufsicht erhielt das Prämonstratenserkloster Scheda. . Der „wenig löbliche Lebenswandel" der Ordensfrauen führte dazu, daß diese erste Stiftung nur kurzen Bestand hatte.
www.marsberg.de/Allgemein/DieStadt/ Bredelar.php

 

Es ließen sich sicherlich noch weitere Verbindungen aufzeigen, jedoch soll obiges exemplarisch hinreichend die Bedeutung der “geistlichen Führung” jener Tage belegen.

Zum Kloster gehörte auch eine Wall- und Wehranlage mit Burggraben, deren Reste wir bei der Begehung deutlich erkennen konnten. Um die ursprünglichen Gebäude- und Anlagepositionen heute sichtbar zu machen, müssten wohl Ausgrabungen oder spezielle Radar oder Ultraschallaufaufnahmen erstellt werden.

Skizze der Klosteranlage vor der Säkularisation mit Wehreinrichtungen

Die Lage des Klosters war strategisch günstig am Knotenpunkt zwischen Haarweg und der Furt durch die Ruhr gelegen. Metalle und Erze aus dem Sauerland konnten hier ohne zusätzlichen “Vorspann” mit dem Pferdegespann den Haarstrang hinauf gezogen werden in Richtung des Hellwegs, der bedeutenden Handelsstrasse in Ost-West-Richtung.
So gehörte zur Gesamtanlage ein sogenannter Hünenknüfer hinzu, dessen Reste man heute ebenfalls noch erkennen kann.



Auf Pfeilwurf-Weite wurde hier über “passieren” oder “umkehren” entschieden. Auch kann man sich die Erhebung von Zöllen an dieser Stelle vorstellen. Zur Ruhr hin wurde die Überlegenheit durch die Bauhöhe des Wehrturms erreicht, zum Haarstrang hin waren hierfür weitere Schutzwälle erforderlich.


Grafik: Reinhold Stirnberg

Säkularisation
Vom Prämonstratenser-Kloster zur preußischen Staatsdomäne
Im Jahr 1809 wurde auch das Kloster Scheda aufgelöst - 1823 kam die Staatsdomäne in den Besitz des Freiherrn vom Stein.

Das Kloster Scheda bei Fröndenberg gehörte zu den begüterten Abteien in Westfalen. Seine etwa hundert Besitzungen lagen überwiegend im Umkreis von Fröndenberg. Am 13. Mai 1804 nahm ein preußischer Kommissar den Bestand des Klosters auf und leitete damit seine Säkularisierung ein.
Das Kloster selbst wurde für dreißig Jahre als Staatsdomäne an den Pächter Uflacker übergeben, der hier eine Brennerei, Wirtschaftsgebäude und Arbeiterwohnungen errichtete, aber bald in finanzielle Schwierigkeiten geriet und Scheda bereits nach zwölf Jahren verließ.
lm Jahr I817 wurden die baufällige Kirche, später auch das Propsteigebäude abgebrochen, das Staatsgut 1823 zum Verkauf angeboten. Nach einer um 1820 aufgenommenen Zeichnung hat das Domänengut Scheda ausgesehen wie folgt:


Grafik: Reinhold Stirnberg

Es wurde dann mit 838 Morgen Land einschließlich der Mühle in Warmen für 41.000 Taler an den Reichsfreiherrn vom und zum Stein verkauft. Aus weiterem Schedaer Besitz erwarb Stein im Jahr 1828 für 9.32I Taler noch 13 Morgen. 1825 verlieh König Friedrich Wilhelm III. Scheda die Rechte eines Rittergutes und erhob es 1826 zusammen mit Cappenberg zu einer Standesherrschaft. Freiherr vom Stein hatte nun Sitz und Stimme im ersten westfälischen Provinziallandtag in Münster, dessen Vorsitzender er später wurde.
Erster Pächter des Rittergutes wurde 1828 der erst 18 jährige Friedrich Sümmermann von Sümmermann-Korten aus Fröndenberg-Ostbüren. Da KarI Friedrich noch minderjährig war, musste sein Vater Johann Friedrich Sümmermann für seinen Sohn mit 30.000 Goldmark Bürgschaft übernehmen. Über drei Generationen wurde Scheda von Sümmermanns verwaltet.
Nach dem Tod des Freiherrn vom Stein im Jahr 1831 erbte seine Tochter, verheiratete Gräfin Kielmanseg, das Rittergut.
Als Frau konnte sie jedoch nicht dem Provinziallandtag angehören. So wurde die Landesherrschaft Scheda von Friedrich Sümmermann vertreten.
Auszug aus Zeitungsbericht Marie-Luise Frese-Strathof mit colorierter Skizze Reinhold Stirnberg .

Beim weiterer Besichtigung folgen wir den Spuren der ehemaligen Mönche auf dem “Mönchsgang”, einem mit Hainbuchen gesäumten, Allee-ähnlichen Rundgang. Aus den Heckenpflanzen sind durch entsprechendes Verschulen großstämmige Bäume geworden.
Die Gartenanlage weist auch noch heute groß gewachsene, z.T. exotische Bäume und Gewächse auf (Esskastanie, Riesenmagnolie,..). Nach Stärkung mit Getränken verabschieden sich die Teilnehmer und wandern oder fahren heimwärts.

Herr Stirnberg stellt sich vor

Große Zuhörerschaft

Im Garten

Interessant

Thema Pflanzen unter Fachfrauen

Esskastanien mit Stachelpanzer

Blick zum Burggraben

Erläuterung zur Befestigungsanlage

Der Mönchsgang

Mit Menschen gefüllt

Der Pavillon

Riesenmagnolie mit Blüte