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Eiszeit in Fr├Âmern

Die Eiszeit in Fr├Âmern, zweiter heimatkundlicher Spaziergang am 10.07.2004

1.       Allgemeines zur Eiszeit:

Das Eiszeitalter begann vor ca. 2,3 Millionen Jahren mit einer deutlichen Klimaverschlechterung.
Es endete vor 10 300 Jahren. Der Klimaverlauf des Eiszeitalters ist durch einen mehrfachen Wechsel von Kalt- und Warmzeiten gekennzeichnet.
Die genauen Ursachen f├╝r die starken Klimaschwankungen mit grimmigen Eiszeiten und milden Warmzeiten sind bisher nicht bekannt. Diskutiert werden
- Schwankungen der Sonnenstrahlung
- periodische Schwankungen in der Stellung der Erdachse
- geringe Durchl├Ąssigkeit der Lufth├╝lle durch globalen Vulkanismus - Ver├Ąnderungen in der Zirkulation von Meeresstr├Âmungen
- Schwankungen der W├Ąrmeabgabe aus dem Erdinnern.
Vorstellbar ist auch, dass eine Kombination verschiedener Ursachen die Klimaschwankungen im Eiszeitalter bewirkten. In den K├Ąlteperioden war es auf dem Festland um etwa 10┬░ bis 15┬░C im Durchschnitt k├Ąlter als heute.

W├Ąhrend des Eiszeitalters entwickelten sich in verschiedenen Gebieten der Erde m├Ąchtige Vergletscherungen und ausgedehnte Innlandeismassen. Das Hauptzentrum der europ├Ąischen Vereisung lag in Skandinavien. Von dort sind die Eismassen nach S├╝dosten, S├╝den und S├╝dwesten vorgedrungen. Der norddeutsche Raum wurde nachweislich dreimal vom Eis ├╝berfahren. Diese Perioden erhielten die Bezeichnung Elster-, Saale- und WeichselVereisung. Aus Abbildung 1 geht hervor, wie lange diese Kaltzeiten zur├╝ckliegen und wie lange sie etwa dauerten. Die Westf├Ąlische Bucht ist aber wahrscheinlich nur w├Ąhrend der Saale-Eiszeit vom Eis bedeckt gewesen.

2.       Die Saale-Eiszeit erreicht den Haarstrang

 In der Saale-Eiszeit lag ├╝ber Skandinavien ein Eisschild von vermutlich bis 3000 m H├Âhe, und die Gletscher r├╝ckten weit nach Mitteleuropa vor. Die gr├Â├čte Eisbedeckung in der Anfangszeit der Saale-Eiszeit wird als Drenthe-Stadium bezeichnet nach der niederl├Ąndischen Landschaft Drenthe. Die Eisbedeckung im Drenthe-Stadium fand in Phasen statt.  Geologen haben drei Hauptvorst├Â├če der Eismassen erkannt, die nacheinander und teilweise aus verschiedenen Richtungen in die Westf├Ąlische Bucht eindrangen. Der erste Vorsto├č hat die gesamte Westf├Ąlische Bucht ├╝berfahren und reichte im S├╝den bis an den Haarstrang. Der Haarstrang bildete f├╝r das vorr├╝ckende Eis ein nat├╝rliches Hindernis. Das Schmelzwasser floss zun├Ąchst zwischen Eisrand und Haarstrang nach Westen ab. Der dritte Eisvorsto├č hat vermutlich f├╝r unseren Raum die maximale Vereisung gebracht. Die Schmelzw├Ąsser ergossen sich den S├╝dhang des Harrstrangs hinab ins Ruhrtal.
Von dem bei Essen liegenden Gletscher im Westen und dem Dortmunder Gletscher im Norden am , Abfluss gehindert, staute sich das Wasser zu einem Schmelzwassersee, der das Ruhrtal bis 280 m H├Âhe ├╝ber NN auf├╝llte.

Die Abbildung 2 zeigt ein Nord-S├╝d-Profil des Haarstrangs durch Fr├Âmern.

So k├Ânnte es zur Zeit der maximalen Vereisung ausgesehen haben. Zwischen Fr├Âmern und Holzwickede gelangte eine Gletscherzunge ├╝ber den Haarstrang. Aus der Gletscherzunge brachen Eisberge heraus, die auf dem See trieben. Die Abbildung 2 wurde gefertigt in Anlehnung an eine Abbildung in dem Buch "Schwerte 1397-1997" (S. 39). Nach dem Zur├╝ckweichen des Essener Gletschers wurde der Ruhrabfluss wieder frei und die Eisschollen sanken auf die Landoberfl├Ąche ab und hinterlie├čen ihre Spuren.

3.       Zeugen der Vereisung

Anzeichen f├╝r eine ehemalige Vereisung sind auch heute noch erkennbar.
Abb 3: Das vordringen der Gletscher w├Ąhrend der 3.Saale-Eiszeit

Die Gletscher lagerten den mitgef├╝hrten Gesteinsschutt in Form von Mor├Ąnen ab. Ihr Vorkommen zeigt, wie weit die Eismassen einst vorgedrungen sind. Andere Zeugen der Eiszeit sind L├Â├čbildung, Entstehung von Sandd├╝nen, Ver├Ąnderung von T├Ąlern oder Gletscherschrammen.
Die aus Nordosten vordringenden Eismassen sch├╝rften aus dem Untergrund der ├╝berfahrenen Gebiete (Skandinavien, Ostseeraum, Norddeutschland) Lockermaterial und feste Gesteine auf und schleppten sie mit sich. Diese Mischung von Ton, Schluff, Sand, kleineren und gr├Â├čeren Steinen bilden im allgemeinen die ungeschichteten Grundmor├Ąnen. Die Endmor├Ąnen entstanden vor dem Eisrand, wenn der Eisnachschub und das Abschmelzen im Gleichgewicht waren. Gr├Â├čere Bl├Âcke kommen in ihnen h├Ąufiger vor.
Die kleinen und gro├čen Steine nennt man Geschiebe. Die Geschiebe unterscheidet man nach der Gesteinsart und nach dem Herkunftsgebiet. Gro├čgeschiebe bezeichnet man als Findling.

4.       Geologische Spuren in Fr├Âmern
Geschiebe, bis zur Gr├Â├če von Findlingen, wurden und werden heute noch h├Ąufig in Fr├Âmern gefunden. ├ťberwiegend d├╝rfte das nordische Geschiebe aus Ostfennoskandien (Nordschweden- Ostseeraum- S├╝dwestfinnland) stammen. Eine von Geologen durchgef├╝hrte Z├Ąhlung kristalliner Leitgeschiebe n├Ârdlich von Bausenhagen erbrachte einen 84%-Anteil aus diesem Gebiet. Die restlichen 16% kamen aus S├╝dschweden und Bornholm hierher. F├╝r Fr├Âmern liegt eine derartige Untersuchung nicht vor. Vermutlich w├╝rde sie ├Ąhnlich wie in Bausenhagen ausfallen. Bei den gefundenen Findlingen handelt es sich meist um Granite.

Aus einer Befragung verschiedener Landwirte ergibt sich folgende r├Ąumliche Verteilung: Zahlreiche Geschiebe fand man in der N├Ąhe von Hof Pante (nord├Âstlich, ├Âstlich und s├╝dlich davon), zum Haarweg hoch nimmt das Geschiebe ab. Westlich der Eisenbahnlinie wurde ebenso h├Ąufig Geschiebe festgestellt. Aber auch s├╝dlich der Wasserscheide -s├╝dwestlich des Spitts- konnten noch Findlinge entdeckt werden. Dadurch wird die Aussage, dass eine Gletscherzunge zwischen Fr├Âmern und Holzwickede den Haarstrang ├╝berschritten hat, gest├╝tzt.

Abb. 4: Fundorte von Findlingen in Fr├Âmern, gedachte Gletscherfront einskizziert

Heimatverein Fr├Âmern, 8. Juli 2004

Johannes Grasse

Lit.-Nachweis:
K.Skupin, E.Speetzen, J.G.Zandstra; Geologisches Landesamt NRW; Krefeld 1993: Die Eiszeit in Nordwestdeutschland; ISBN 3-86029-924-7
Stadt Schwerte: Schwerte 1397-1997; Eine Stadt im mittleren Ruhrtal und ihr Umland;  Essen 1997; ISBN 3-88474-492-5

Fotos von der Wanderung:
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Abmarsch Gemeindehaus

Findling bei Theo L├╝tgen

Mit Theo im gespr├Ąch

Bei Schulze Stentrop

Findling Lange ausgehoben

Sammlung Schulze Stentrop

Bei Pante

Ein gro├čes Geschiebe bei Pante