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Bruchsteinmauern

Trockenmauern waren Thema des 3.Heimatkundlichen Spaziergangs 2003.

Da das Thema jederzeit aktuell ist, lassen wir diese Seite für Interessierte stehen.

1. Bauweise - Unterschiede

Trockenmauer:
Mörtelfreie Schichtung von Bruchsteinen, ursprünglich zum terassieren von Weinbergen. Später Abfangen von Erdmassen, Stützen von Böschungen. Verwendung von Natursteinen aus umliegenden Steinbrüchen.

Bild 1: Freistehende Trockenmauer                                                              Bild 2: Bruchsteinmauer als Wall
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Bruchsteinmauer:
Mörtelgebundenes Fundament oder Gebäudemauer, auch Grenzmauer, mit unterschiedlichen Fugenmustern und Steintypen. Verwendung von Natursteinen unterschiedlicher Fertigung (Schneiden, Bossieren, Spalten)





Steinwall/ Schüttsteinmauer:
Ursprung als Abtrennung von landwirtschaftlich genutzten Flächen durch Anhäufung von Lesesteinen.


2. Bauanleitung Trockenmauer

Planung erfolgt durch Anfertigen eines Schnurgerüstes für Breite und Höhe (nicht auf den Zentimeter genau).. Hierdurch können leicht der Verlauf, die Höhe und die Lage zum Hang vorgegeben und unliebsame Überraschungen vermieden werden. Einige Pfähle, Latten, Nägel und eine Maurerschnur reichen hierfür aus. Die Schnur wird alle paar Lagen in der neuen Höhe gespannt und so mit nach oben genommen.

Die Trockenmauer besitzt kein Fundament im herkömmlichen Sinne. Die unterste Schicht wird entweder auf gewachsenem Boden oder auf verdichteten Kiessand- oder Schottersandgemischen errichtet. Die Fundamentsohle liegt etwa 30 cm unterhalb der Erdoberfläche und erhält bereits die angestrebte Neigung von etwa 10 bis 20 % gegen den Hang.

Generell sollte die Stärke der Mauer etwa 1/3 ihrer Höhe betragen. Dies ergibt bei einer maximalen Höhe von 120 cm eine Fundamentbreite von etwa 40 cm.

Jeder einzelne Stein muß satt aufliegen und möglichst enge Fugen zum Nachbarstein bilden. Gesetzt wird immer nach der natürlichen Lagerrichtung, also nie senkrecht zur Gesteinsschichtung. Die Steingröße sollte von unten nach oben abnehmen..

Für eine ausreichende Stabilität sorgt ein Überbinden der Stoßfugen und sogenannte Durchbinder oder Ankersteine, das heißt möglichst große Steine, welche die Mauer in ihrer ganzen Breite durchdringen. Nach Möglichkeit sollten pro Lagerschicht mehrere solcher Steine eingebaut werden.

Die Hintermauerung setzt hinter der Sichtreihe an. Sie erweitert die Breite der Mauer und sorgt für deren Stabilität. Als Material hierfür können grobe unbehauene Steine verwendet werden. Die Hintermauerung wird gleichzeitig mit der Frontseite hochgezogen. Verbliebene Hohlräume werden mit kleinen Steinen ausgefüttert und mit Erde angefüllt. Bei schweren Böden ist eventuell eine Kiesdrainage hinter dem Mauerwerk angebracht.

Als Ecksteine verwendet man am sinnvollsten große schwere Steine. Den oberen Abschluß können z. B. dünnere große Platten (ca. 3 bis 5 cm), welche die Mauer in ihrer ganzen Breite mit etwas Überstand abdecken, bilden. Eine andere Möglichkeit sind dickere Abdecksteine, die ohne Überstand aufgemauert oder aufgelegt werden. Dies verhindert ein sogenanntes Auffrieren im Winter und erhöht die Lebensdauer der Mauer. Dies gilt im übrigen auch für Mauern aus Sandsteinen.

3. Bruchsteinarten
Ökologisch vernünftig ist die Verwendung heimischer Bruchsteine wegen dem Aufwand für Transport.
Werkstoffgruppe 1: Granit, Granodiorit, Diorit, Gabbro
Werkstoffgruppe 2: Alkalibasalt, Basalt, Diabas, Rhyolith, Trachyt, Tuffstein
Werkstoffgruppe 4:: Kalkstein, Dolomitstein
Werkstoffgruppe 5: Sandstein, Grauwacke, Quarzit

4. Lieferanten, weitere Informationen und Dienste:  
http://www.geodienst.de (Sehr zu empfehlen)
 
Steinbrüche Sandstein (ca. 50-60Euro / Tonne Mauerstein gebrochen)
Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser GmbH & Co. KG, Bamberg
Bergische Grauwacke Steinbruchbetriebsgesellschaft mbH, Lindlar
Bunk Wesersandsteine GmbH & Co. KG, Bad Karlshafen
Bernd Dirks Natursteinbetrieb, Billerbeck
Wilhelm Fark GmbH, Havixbeck
Gleussner Natursteinwerk GmbH und Co KG, Eltmann am Main
Glöckel Natursteinwerk GmbH, Langenaltheim
Grandi GmbH Steinbruchbetriebe, Herdecke
Leonh. Hanbuch & Söhne GmbH & Co. KG, Neustadt-Haardt
Helmer Naturstein GmbH, Stadtoldendorf
Natursteinwerke Harald Holz, Eppingen-Mühlbach
K.H. Jükel GmbH Natursteinwerk, Diemelstadt
Albert Killing Natursteinberieb GmbH, Anröchte
Wilhelm Külpmann GmbH & Co. KG Ruhrsandsteinbrüche, Wetter
C. Linnenberg GmbH, Stadtoldendorf
Merge Naturstein GmbH, Ibbenbüren
Miltenberger Natursteinwerk Wassum GmbH, Miltenberg
Kaspar Müller GmbH + Co. KG, Stolberg-Schevenhütte
Nagel Natursteinwerk, Tübingen
Obernkirchener Sandsteinbrüche GmbH, Obernkirchen
Oberste KG Steinbruchbetrieb, Dortmund
Heinrich Quirrenbach Steinbruchbetrieb GmbH, Lindlar
Rinsche GmbH Natursteinwerk, Anröchte
Sächsische Sandsteinwerke GmbH, Pirna
SBS Natursteinwerk GmbH, Waltershausen
Otto Schiffarth Steinbruch GmbH & Co. KG, Lindlar
Natursteinbetriebe Schwabe, Ibbenbüren
Seidenspinner Natursteinwerk GmbH, Neubrunn
Stein Müller, Kleinlangheim
TRACO Deutsche Travetin Werke GmbH, Bad Langensalza
Egon u. Günther Woitzel GmbH & Co. KG, Ibbenbüren
Franz Zeller Natursteinwerke, Miltenberg

5. Fauna und Flora, Mikroklima
Je nach Standort der Mauer und nach Lage innerhalb der Trockenmauer gibt es sehr unterschiedliche Klimate, die jeweils von Tieren und Pflanzen unterschiedlichen Anspruchs besetzt und genutzt werden. Die unteren Bereiche sind oft feucht/schattig und bilden die Ablaufzone für das hangseitige Oberflächenwasser während die oberen Bereich oft trocken/warm sind und somit karg (Stein als Wärmespeicher).

Tiere in und an der Trockenmauer:
Kröten, Blindschleichen, Mauer- und Zauneidechsen, seltene Insekten, z.B. Käfer, Solitär- und Wildbienen, Grabwespen sowie verschiedene Spinnenarten, Ameisen

Pflanzen auf und in der Trockenmauer:
Blau- und Grünalgen Rispengras, Finger-Steinbrech, Flechten, meist Krustenflechten (Selbstansiedler), als Farne die Mauerraute und der braunstielige Streifenfarn,
Fetthenne, Dachwurz , Tüpfelfarn, Lerchensporn, Schöll- und Zimbelkraut, Steinkraut, Hauswurz, Ginster, Steinbrech, Lein, Glockenblume, Seifenkraut, Sonnenröschen

Folgende Pflanzen eignen sich besonders für den sonnigen Standort und den Pflanzbereichen
in den Mauerfugen und auf der Mauerkrone:
- Skabiosen - Flockenblume (Centaurea scabiosa)
- Mittagsblume (Delosperma cooperi)
- Heidenelke (Dianthus deltoides)
- Hungerblümchen (Draba aizoides)
- Natternkopf (Echium vulgare)
- Johanniskraut (Hypericum perforatum)
- Schleifenblume (Iberis saxatilis)
- Leimkraut (Linum alpinum)
- Edelweiß (Leontopodium alpinum)
- Sandfingerkraut (Potentilla cinerea)
- Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)
- Mauerpfeffer-Arten (Sedum acre u. a.)
- Echter Hauswurz (Sempervivum tectorum)
- Thymian (Thymus in versch. Arten)

Für die Bereiche halbschattiger bis schattiger Standorte stehen folgende Pflanzen zur Verfügung:
- Gänsekresse (Arabis procurrens)
- Glockenblume (Campanula portenschlagiana)
- Zimbelkraut (Cymbalaria muralis)
- Storchenschnabel (Geranium robertianum)
- Zwergfunkie (Hosta ventricosa minor)
- Moossteinbrech (Saxafraga hypnoides)
- Schattensteinbrech (Saxifraga umbrosa)

Ca. 60% der Fortpflanzung der Pflanzen wird durch den Eiertransport der Ameisen erledigt. Die Sporen hängen sich an.

6. Vorkommen in Frömern siehe Kartierung (Fundus HV)
Legende
H1 - Historische Trockenmauer
H2 - Historische Bruchsteinmauer
N1 - Neuere Trockenmauer
N2 - Neuere Bruchsteinmauer
N3 - sonstige Steinmauer / Steinwall

    Heimatverein Frömern, im August 2003,
    Heiner Lange